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Die Welt (August 2004): Leser schreiben - die Zeitung antwortet

Die Angst der Jungen vor dem Alter
ist verständlich


Reicht die Rente? Oder vielmehr: Wird es überhaupt noch eine Rente geben?
Diese Fragen stelle ich mir täglich mit meinen 27 Jahren. Die Elterngeneration, die vom Erbe der Grosseltern lebt, die die Arbeitslosigkeit auf die Spitze getrieben hat und einen Geld fressenden sowie sozialistischen Staatsapparat geschaffen hat, erkennt jetzt, da ihr die finanziellen Felle im Alter wegzuschwimmen drohen, marktwirtschaftliche Prinzipien und macht sich daran, ihre Nachfolgegeneration, ohne mit der Wimper zu zucken, auszubeuten. Wie soll die junge Generation bei den derzeitigen Einstiegsgeghältern neben der alltäglichen Eigenversorgung mit eigenen Kindern jene Versorgungslücke schliessen?
Und wie sollen wir bei all diesen Aufgaben auch noch eine eigene Altersvorsorge finanzieren? Vor diesem Hintergrund wird es wohl eher nicht zu dem Generationenkrieg kommen, sondern zu einer verstärkten Abwanderung junger und leistungswilliger...
Julia Frey, Köln

Die Antwort

Sie sprechen aus, was ein grosser Teil Ihrer Generation denkt. Es ist wahrscheinlich das erste Mal in der Geschichte dieses Sozialstaates, dass sich Menschen Gedanken über ihr Alter, ihre Rente machen, noch ehe sie zu arbeiten begonnen haben. Dies ist kein verzagtes Hoffen auf erneute Umverteilerei durch den Staat, schon gar kein Neid auf die Alten. Es ist Erkenntnis. Sie müssen einzahlen in eine Rentenkasse, die geplündert sein wird, noch ehe sie selbst alt sind. Für Sie, das steht fest, wird gar nichts mehr in der Kasse sein, wenn Sie Rentnerin sein werden. Es ist also nicht hysterisch, sondern vernünftig, wenn Sie sich Sorgen machen.

Wenn Ihnen dann die Sachwalter des bankrotten Systems empfehlen, doch bitte für sich selbst vorzusorgen, so entbehrt dies nicht einer gewissen Dosis an Zynismus. Denn Sie können ja nicht wählen zwischen Eigenvorsorge und der Alimentierung der jetzigen und kommenden Altengenerationen. Sie müssen weiter und immer weiter einzahlen. Neben den Steuern fliessen allmonatlich 35 Prozent (falsch! 42% mit Arbeitgeberanteil) Ihres Einkommens in die Sozialkassen. Und wenn Sie zu denen gehören, die einzahlen, dann stehen Sie sogar noch auf der besseren Seite. Die schlechteren Karten haben diejenigen, die - vor allem wegen der Höhe der Abgaben - die Arbeit ganz verlieren.

Da sitzen sie nun auf ihren Ansprüchen, die Rentner von heute, und verweisen auf ihre Verdienste in der Vergangenheit. Und sie werden freiwillig wahrscheinlich auf keinen roten Heller verzichten, um Ihnen eine Chance zu geben. Also: Wandern Sie nicht aus, wehren Sie sich!

Kathrin Spoerr

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